Nicht zögern, wenn nach dem Crash Sachverstand gefragt ist

In der Regel sollte man besser nicht dem Sachverständigen vertrauen, den die gegnerische Haftpflichtversicherung vorschlägt

Ein unabhängiger Gutachter kann bei Schäden über 750 Euro hinzugezogen werden. Foto: vimax001-stock.adobe.com

22.02.2021

Wer die Höhe des Schadens an seinem Unfallwagen bestimmen will, um Schadensersatz zu fordern, sollte nicht dem Sachverständigen vertrauen, den die gegnerische Haftpflichtversicherung vorschlägt.

Ein Versicherungsgutachter hat das Motiv, den Schaden am Kfz so gering wie möglich zu beziffern, damit sein Auftraggeber möglichst wenig Schadensersatz zahlen muss. Von daher sollte man sich einen eigenen, unabhängigen Gutachter suchen, welcher den genauen Schaden am Fahrzeug bestimmt.

Unabhängigkeit sorgt für Vertrauen

Geschädigte sind in jedem Fall dazu berechtigt, den Schaden am eigenen Auto von einem unabhängigen Gutachter feststellen zu lassen. Dies kann man auch dann tun, wenn die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners schon einen eigenen Sachverständigen entsendet hat, der bereits ein Gutachten erstellte.

Kfz-Gutachten und Bewertungen

Der eigene Gutachter nach einem Unfall sollte ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger sein oder zumindest jemand, der zertifiziert ist und einem unabhängigen Berufsverband angehört. Solche Gutachter werden von Zivilrichtern als besonders vertrauenswürdig eingestuft.

Tipp: Wenn die gegnerische Versicherung einen eigenen Sachverständigen bestellt und diese vorschlägt, dass dies der einzige Gutachter in dem Verfahren bleiben soll, sollte der Vorschlag der Versicherung nicht akzeptiert werden.

Bei Bagatellschäden reicht Kostenvoranschlag der Werkstatt. Wer einwilligt und sich danach entscheidet, einen Zweitgutachter einzuschalten, hat auch als geschädigte Person nicht mehr das Recht, die Gutachterkosten erstattet zu bekommen.

Was übernimmt die Haftpflicht?

Bei einem Bagatellschaden von unter 750 Euro ist ein Gutachter normalerweise nicht gerechtfertigt, weshalb man sich mit einem einfachen Kostenvoranschlag der Autowerkstatt begnügen sollte.

Der Sachverständige sollte keine Kosten in Rechnung stellen, die über das normale Maß hinausgehen. Ansonsten übernimmt die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners nur einen Teil von seinen Gebühren. (www.bussgeldkatalog.org)


Unfall selbst verschuldet?

Vor der Abwicklung ist einiges zu beachten

Nicht immer ist der Andere schuld, wenn es gekracht hat. Worauf kommt es jetzt an?

Die Ansprüche des Geschädigten deckt die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung ab. Gut, wer eine Vollkasko abgeschlossen hat. Sie zahlt die Schäden am eigenen Auto, viele andere Leistungen aber nicht. Ein Blick in die Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung (AKB) schafft Klarheit.

Schaden melden. Das ist die erste Regel, bevor man andere mit der Abwicklung beauftragt. Einige Versicherungen übernehmen die Regulierung komplett. Es besteht ohne Zweifel zumindest aber ein Weisungsrecht.

Werkstatt aussuchen. Falls im Kasko-Vertrag nicht ausdrücklich etwas anderes steht, kann auch nach einem selbst verursachten Unfall die Werkstatt des Vertrauens gewählt werden.

Das Kleingedruckte lesen. Die Beratung durch einen Rechtsanwalt ist oft ausgeschlossen. Muss ein Sachverständiger zurate gezogen werden, übernimmt in der Regel die Versicherung die Beauftragung. Auch auf Leistungen wie Wertminderung, Nutzungsausfallentschädigung oder Mietwagen haben Versicherte meist keinen Anspruch. (www.kfzgewerbe.de)