Selbstständig im Seniorenalter

Von barrierefrei über höhenverstellbar bis griffbereit: Praktische Tipps für rüstige Rentner

Wer auch im fortgeschrittenen Alter noch fit, agil und selbständig leben und wohnen möchte, sollte darauf achten, dass das Wohnumfeld zu den individuellen Bedürfnissen passt und den Alltag erleichtert. Foto: pasja1000/Pixabay

20.07.2020

Der demografische Wandel hierzulande ist unbestritten: Die Deutschen werden immer älter. Berechnungen des Statistischen Bundesamts zufolge wird sich die Anzahl der über 80jährigen bis 2060 verdoppeln. Themen wie die Pflege und Versorgung von Senioren werden dementsprechend in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Den meisten Rentnern ist ein beständiges und vertrautes Lebensumfeld am wichtigsten, in welchem sie selbstbestimmt und eigenständig leben, solange es geht.

Hier sind nun einige hilfreiche Tipps, die zeigen, wie man auch im hohen Alter noch gut in der eigenen Wohnung leben kann.

Je älter man wird, desto wichtiger ist es, das Haus oder die Wohnung an die speziellen Bedürfnisse anzupassen. Das A&O für ein selbstbestimmtes und angenehmes Wohnen im Alter ist ein barrierearmes Umfeld. Seniorenfreundliche Wohnungen haben breitere Türen und ebenerdige Bäder, auch sollte sich der Wohnraum nicht über mehrere Ebenen erstrecken.

Treppen werden im hohen Alter manchmal zu unüberbrückbaren Hürden und der Einbau eines Treppenlifts ist sehr kostspielig. Die ganze Wohnung sollte so aus- und eingerichtet sein, dass sie mit einem Rollator befahrbar ist. Rutschige Fliesen sollten gemieden und in Bad und Küche gegebenenfalls durch rutschhemmende ersetzt oder ergänzt werden.

Vorsicht, Stolperfallen

Auch in barrierearmen Wohnungen können kleine Tipps und Tricks zu noch mehr Lebensqualität beitragen. In der ganzen Wohnung gilt: „Hausverbot für Stolperfallen!“. Teppiche und Bett- oder Badvorleger sollten mit dem Boden verklebt oder mit Antirutschunterlagen gesichert werden. Türschwellen gilt es zu meiden und im Zweifelsfall zu entfernen – ist das nicht möglich, sollte ein farblicher Kontrast die Stolperfalle vom Fußboden abheben, um das Risiko des Vertretens zu reduzieren.

Freiliegende Kabel haben in Seniorenwohnungen nichts zu suchen. Sie sind um jeden Preis zu verhindern – gegebenenfalls durch die Installation zusätzlicher Wandsteckdosen. Paternosterschränke, die sich mit einer Fernbedienung steuern lassen, sind für Senioren praktischer als hohe Schränke, deren Inhalt zum Teil kaum mehr zu erreichen wäre und zudem enormes Unfallrisiko birgt.

Oft sind es die kleinen Dinge, die das Leben spürbar einfacher machen: Die Armaturen in Bad und Küche sollten so eingestellt werden, dass sie sich leicht bedienen lassen – am besten sind altersgerechte Hebelarmaturen. Im hohen Alter fällt außerdem oft auch das Öffnen und Schließen von Fenstern oder Balkontüren schwerer. Greifhilfen schaffen hier Abhilfe, insbesondere bei höher liegenden Fenstern. Eine automatische Nachtbeleuchtung auf Basis von Bewegungsmeldern sichert den nächtlichen Gang auf die Toilette – je nach Mobilität können zusätzlich installierte Haltestangen, vor allem im Flurbereich Sicherheit bringen.

Egal ob am Tag oder in der Nacht: Immer sollten ältere Herrschaften auch in den eigenen vier Wänden auf festes Schuhwerk achten. Die bei vielen Rentnern so beliebten Hausschlappen bergen ein enormes Sturzrisiko und sollten deshalb gemieden werden. Auch auf echte Notfälle sollte man vorbereitet sein: Seniorenbeiräte oder soziale und kirchliche Dienste können dabei helfen einen 24 Stunden Notdienst einzurichten.

Bei vielen Rentnern ist die Küche ein beliebter Ort, langes Stehen fällt jedoch meist schwer. Haltestangen an den Kanten der Arbeitsplatten können als zusätzliche Stütze Abhilfe schaffen.

Die Arbeitswege sollten so bequem und sicher, also auch kurz wie möglich gestaltet werden: Herd, Arbeitsplatte und Spüle sind dafür übereck anzuordnen. Schwere oder heiße Kochutensilien müssen dann nicht angehoben und frei getragen, sondern können einfach verschoben werden.

Beim Verstauen von Küchengeräten, Werkzeugen und Zutaten ist es wichtig, auf die individuellen Gewohnheiten Rücksicht zu nehmen. Alles, was man häufig braucht, sollte stets griffbereit und frei zugänglich aufbewahrt werden. Schafft man die Einkäufe für das Kochen nicht allein, kann man zum Beispiel online nach Anbietern von Einkaufsservices suchen.

Individuelle Lösungen

Das Bad sollte ebenerdig und schwellenfrei sein – das betrifft auch die Dusche. Die Waschbecken sind für den Fall, dass man auf einen Rollstuhl angewiesen ist, unterfahrbar zu montieren. Die ideale Sitzhöhe einer altersgerechten Toilette liegt bei etwa 50 Zentimetern. Sollte das WC niedriger angebracht sein, kann eine Toilettensitzerhöhung die Benutzung erleichtern.

Noch seniorenfreundlicher wird das WC mit zusätzlichen Rückenstützen und seitlich angebrachten Haltegriffen. Sowohl Toilettenpapier als auch Spülung müssen einfach erreichbar sein. Für das bequeme Waschen im Sitzen empfiehlt sich die Anschaffung eines Duschstuhls. (StarOfService)
 

Den richtigen Pflegedienst finden

Wer auf der Suche nach dem richtigen Pflegedienst ist, sollte die meisten dieser Fragen mit Ja beantworten können:

• Hat der Pflegedienst einen Versorgungs- und Vergütungsvertrag mit der Pflegekasse, damit mit dieser die Dienstleistungen abgerechnet werden können?
• Hat der Pflegedienst mehr Fachkräfte als Hilfspersonal?
• Arbeitet der Pflegedienst nach einem Pflegekonzept?
• Ist der Standort des Pflegedienstes in der Nähe der Wohnumgebung, damit kurze Anfahrtswege sichergestellt sind?
• Wird ein individueller Pflegeplan erstellt und eingehendbesprochen?
• Werden die Pflegeleistungen ausführlich dokumentiert?
• Arbeitet der Pflegedienst mit anderen Einrichtungen zusammen?
• Kann der Pflegedienst auf individuelle Bedürfnisse eingehen, durch zeitlich flexible Einsätze?
• Kann der Pflegedienst gewährleisten, dass die zu pflegende Person möglichst von den gleichen Pflegenden versorgt werden?
• Kann der Pflegedienst alle Leistungsbereiche abdecken, die wichtig für Sie sind?
• Informiert der Pflegedienst ausführlich, welche Kosten übernommen und welche selbst getragen werden müssen? (BmFSFJ)