Nur wo man zu Fuß war...

Zum Wandern fliegen Menschen in den Yellowstone-Nationalpark, auf die Kanaren, zu den Neuseeländischen Alpen. Dabei bietet die Heimat eines der schönsten Wanderparadiese Deutschlands.

Wandern vor der eigenen Haustür - ein Trend, der immer mehr Anhänger findet. Foto: Malte Glotz

11.06.2020

Vor der Haustür warten schnell erreichbare Tagestouren. Entweder ganz bequem auf zertifizierten Premiumwegen oder auf eigene Faust lässt sich mit Wanderstiefeln am Fuß die Region entschleunigt neu entdecken.

Bergbau und Glaube

Der Glaube prägt die Region nicht erst, seit Martin Luther und Huldrych Zwingli im Marburger Schloss aufeinandertrafen. Eine der ältesten christlichen Glaubensstätten der Region ist das Kloster Altenberg. In seinem Schatten liegt das wesentlich jüngere und das Wirtschaftsleben der Region für fast 150 Jahre mitprägende Bergwerk „Grube Fortuna. Zwei touristische Höhepunkte, die auch bei Einheimischen beliebt sind, liegen bei Oberbiel fußläufig voneinander entfernt.
     

Basalt und Wasser prägen eine Wanderung ab der Ulmtalsperre. Archivfoto: Katrin Weber
Basalt und Wasser prägen eine Wanderung ab der Ulmtalsperre. Archivfoto: Katrin Weber

Die „Bergmannsroute“ von Wetzlar nach Braunfels führt an der Grube Fortuna vorbei und lässt sich gut nutzen, um einen Teil des Weges zum Kloster zu gehen. Feld und Wald wechseln sich ab, kurze Anstiege folgen ebenen Teilabschnitten. Und im Tal glitzert die Lahn. Im Kloster lässt es sich in die Geschichte abtauchen oder im Garten etwas zu altbewährten Heilpflanzen zu entdecken. Auch das Klostercafé lockt.

Dann geht es bergab, eine andere Route als die zum Kloster und parallel jener Strecke, die Autofahrer zur Grube nehmen. Nach acht Kilometern ist der Wanderer am Start, der hier auch das Ziel ist.

Basalt und Badestrand

Die Ulmbach-Talsperre in Beilstein lädt bei gutem Wetter dazu ein, gar nicht erst loszulaufen, sondern direkt ins Wasser zu hüpfen. Doch es lohnt sich, die Schuhe an zu behalten und entlang des Sees eine Wanderung zu starten. Bald geht es auf dem „Drei Burgen“-Wanderweg durch einen dichten Laubwald. Wer ihn verlässt, steht bald in Wallendorf. Das kleine Dorf bildet zusammen mit Haiern und Beilstein den heute größten Greifensteiner Ortsteil. Der Ulmbachweg führt von hier aus einen Teil der Strecke zum „Basal-PARKours“, der Informatives zu Abbau und Nutzung des Gesteins bereithält. Der Basalt begleitet Wanderer auch das letzte Stück des Weges vorbei am Schloss Beilstein und auf den Ulmtalradweg zurück zur Talsperre. Und da dann – völlig verdient – ins kühle Nass.
 

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Hugenotten und Waldenser


Vielerorts in Mittelhessen prangt entlang der Wanderwege ein schnell wiederzuerkennendes Logo: Ein blauer Kreis mit grüner Welle auf weißem Grund, der Hugenotten- und Waldenserpfad mit seinen Schleifen, Zuwegen oder Rundtouren. Der Europäische Kulturfernwanderweg startet an zwei Punkten: im französischen Le Poët Laval, Ausgangsort vieler Hugenotten, sowie im italienischen Piemont, von wo viele Waldenser sich nach Deutschland aufmachten. In Deutschland endet der Weg in Bad Karlshafen bei Kassel.

Der Routenverlauf durchquert dabei prominent die Region Mittelhessen und lässt sich als mehrtägige Wanderung beschreiten. Im Taunus streift der Weg mehrere Orte, trifft bei Braunfels auf die Lahn und führt dann nach Marburg. Von dort geht es durch den Burgwald und durch viele kleine Hugenottendörfer wie Wiesenfeld oder Louisendorf in Richtung Norden nach Frankenberg. Von Malte Glotz

Weitere Wandertipps der Serie „Ferien zu Fuß“ auf www.mittelhessen.de oder per QR-Code.