Mit Kindern über das Thema Tod reden

Der Umgang mit dem Unvermeidlichen: Trost spenden, Gefühle zeigen und Fragen beantworten

Wie soll ich mit meinem Kind über den Tod reden? Vielen Eltern fällt das schwer. Foto: Firma V - stock.adobe.com

7.03.2022

Wenn ein geliebter Mensch verstorben ist, stehen Eltern neben ihrer eigenen Trauerbewältigung vor der Frage: Wie soll ich mit meinem Kind über den Tod reden? Vielen fällt das schwer – schließlich sollen die Kinder zunächst vor den Schattenseiten des Lebens bewahrt werden. 

Tritt der Fall jedoch einmal ein, ist es die Aufgabe der Eltern, diese Phase tröstend zu begleiten. Offen darüber zu sprechen und Neugier auf das wichtige Thema bei ihnen zu wecken, sind in dieser Ausnahmesituation dann sehr hilfreich für alle Beteiligten. Denn es ist wichtig, das Thema „Sterben“ nicht zu verdrängen – damit ist keinem geholfen. Im Folgenden einige nützliche Tipps, wie man mit Kindern in solch einer schweren Zeit umgeht – und sie gut durchsteht.

Offen über den Tod sprechen: „Wo ist Oma jetzt? Geht es ihr gut?“ Diese Fragen werden am häufigsten gestellt. Die Antworten darauf sollten offen und ehrlich erfolgen, ohne Angst vor dem Thema.

„Beschönigungen – etwa ‚Oma schläft jetzt‘ oder ‚sie befindet sich auf einer langen Reise‘ – helfen dem Kind nicht, sie könnten sich dadurch sogar fürchten. Sie fragen sich, ob sie selbst wieder aufwachen, wenn sie sich schlafen legen. Kinder können oft noch nicht abstrakt denken und nehmen solche Aussagen wörtlich auf.

Eigene Gefühle zeigen: Eltern sollten ihren Kindern erklären, warum sie selbst in den letzten Tagen viel geweint haben. Es hilft auch, ihnen darzulegen, wie sie zeitweise Trost fanden. Kinder lernen so, dass Erwachsene die gleichen Gefühle haben, wie das Kind selbst. Eine trostspendende Umarmung hilft über den Verlust hinweg.

Kinder zur Trauerfeier mitnehmen: Ab dem vierten Lebensjahr ist es gut, das Kind an einer Trauerfeier teilhabenzulassen, damit es den zeremoniellen Ablauf kennenlernt. Dort wird viel über den Verstorbenen gesprochen, sich an ihn erinnert.

Durch die Teilnahme lernt das Kind, auf seine ganz eigene Art und Weise Abschied zu nehmen. „Es kann in der Kapelle herumlaufen, auf dem Schoß einer vertrauten Person sitzen oder Bilder malen, die seine Gefühle zum Ausdruck bringen“, erklärt der evangelische Pfarrer Joachim Hall. „So gestaltet es sogar die Zeremonie aktiv mit – und die Bilder können schließlich mit in das Grab des Verstorbenen gelegt werden.

Urnenbestattungen erklären: Bei einer Urnenbestattung sollten die Kinder allerdings altersgerecht vorbereitet werden. Kleine Kindern ängstigt der Gedanke, dass ein verstorbener Mensch verbrannt wird. Es sollte vielmehr gesagt werden: „Die Urne ist eine Erinnerung an Opa“. Erst ab dem Grundschulalter verstehen Kinder diese Bestattungsform besser.

Keinen Druck ausüben: Kinder trauern anders als Erwachsene. Aus diesem Grund sollten Kinder nicht dazu gedrängt werden, über den Tod zu sprechen. Oft wirken sich Trauerphasen neben Weinen auch durch Stille und Wutausbrüche aus. So überwinden sie das Ohnmachtsgefühl. Dabei ist es wichtig, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Dennoch trösten Umarmungen und die elterliche Nähe am meisten.

Erinnerungen bleiben: Nach einer Bestattung mit dem Kind alte Fotoalben durchzublättern und positive Geschichten zu der verstorbenen Person zu erzählen, hilft das Verlustgefühl zu verstehen. Die Person ist fort, existiert aber weiter in den Gedanken. Es ist ein tröstliches Gefühl, zu wissen, dass geliebte Menschen nicht vergessen werden. (red)